Peugeots neuer Hoffnungsträger: Der 208()

Lissabon (Portugal), 29. März 2012 -
Größer, schwerer, stärker und teurer als der Vorgänger: Das waren jahrelang die Vorgaben, unter denen neue Autos entwickelt wurden. Das führte dazu, dass ein Polo mittlerweile so groß ist wie einst ein Golf. Dass Autos selten weniger als eine Tonne auf die Waage bringen. Dass alles unter 100 PS fast schon als untermotorisiert gilt. Und dass die Preissteigerungen nur deshalb nicht ganz so offensichtlich sind, weil die Euro-Einführung vor zehn Jahren die reinen Zahlenwerte auf einen Schlag halbiert hat. Doch mittlerweile hat bei vielen Herstellern ein Umdenken stattgefunden. So tritt der Peugeot 208 den Beweis an, dass man auch mit der Devise "kleiner, leichter, unwesentlich stärker und billiger" ein anständiges Auto bauen kann.

Geschrumpfte Außenmaße, mehr Platz
Bei den Außenabmessungen hat der Kleinwagen einiges eingespart: Sieben Zentimeter kürzer, zwei Zentimeter schmaler und einen Zentimeter niedriger fällt der 208 im Vergleich zum Vorgängermodell 207 aus. Auch beim Gewicht wurde abgespeckt - um stolze 110 Kilogramm. Gleichzeitig ist den Ingenieuren das Kunststück gelungen, das Platzangebot zu verbessern. Im Fond stehen den Passagieren etwa fünf Zentimeter mehr Kniefreiheit zur Verfügung, erreicht durch dünnere Rücksitzlehnen für Fahrer und Beifahrer. Auch beim Kofferraum ist ein Zuwachs zu verzeichnen: 15 Liter mehr in der Normalkonfiguration und 153 Liter mehr bei umgelegter Rückbank. Mit einem Fassungsvolumen von 285 bis 1.076 Liter liegt der 208 hier auf Augenhöhe mit den Platzhirschen VW Polo und Opel Corsa. Wäre beim Peugeot die Ladekante weniger hoch und entstünde bei heruntergeklappter Lehne ein Ladeboden ohne störende Stufe, gäbe es am Gepäckabteil gar nichts zu meckern.

Der Kleinwagen ist der Nachfolger des 207

Zurückeroberung der Frauen
Beim Außendesign setzt der 208 den seit dem 508 eingeschlagenen Weg fort: Das Haifischmaul ist verschwunden, sportlich-elegante Attribute dominieren. Rundliche Formen gepaart mit einigen markanten Sicken und Kanten sollen nicht nur die so gerne zitierte junge Käuferschaft ansprechen, sondern vor allem die weibliche Kundschaft zurückerobern. Wurde der Vorvorgänger 206 noch zu 69 Prozent von Frauen gekauft, war es beim 207 nur noch jedes zweite Fahrzeug. Viel Augenmerk haben die Designer der Innenraumgestaltung geschenkt. Beweis dafür ist das hochwertige und ansehnliche Interieur, das in den teureren Varianten durch Zierleisten in Klavierlack- oder Chrom-Optik aufgewertet wird. Ab der mittleren Ausstattungslinie sitzt in der Mittelkonsole ein großer Touchscreen, über den sich die Audioanlage, der Bordcomputer sowie die optionale Navigation und die Bluetooth-Freisprecheinrichtung bedienen lassen.

Lenkrad verdeckt Instrumente
Etwas überambitioniert mutet der Versuch eines neu angeordneten Cockpits an. Die Instrumenteneinheit wurde weiter nach oben und damit besser ins Blickfeld des Fahrers gerückt. Das - lediglich höhenverstellbare - Lenkrad fällt sehr klein aus und muss sehr tief eingestellt werden, um über dem Kranz Tacho und Drehzahlmesser einsehen zu können. Dies ist gewöhnungsbedürftig und setzt zudem eine anhaltend aufrechte Sitzposition voraus. In der Praxis rutscht der Fahrer aber häufig immer tiefer in seinen Sitz, nach einiger Zeit verdeckt der obere Teil des Lenkrads dann die freie Sicht auf die Instrumente.

Kürzer, schmaler, niedriger: Hinsichtlich der Außenabmessungen ist der 208 im Vergleich zum Vorgänger deutlich geschrumpft

Müde Benziner
Bei den Antrieben für den 208 setzt Peugeot auf teils bewährte, teils neue Aggregate. Die reinen PS-Zahlen haben sich im Vergleich zum 207 nur unwesentlich verändert. Die zum Marktstart erhältlichen und bereits bekannten Benziner fallen beide etwas müde aus. Der 1.4 VTi mit 95 PS bekommt mit zwei Personen samt Gepäck beladen schon bei leichten Steigungen Probleme, die durch Zurückschalten und hohe Drehzahlen nur bedingt in den Griff zu bekommen sind. Etwas flotter ist man mit dem 120 PS starken 1.6 VTi unterwegs. Ein Ausbund an Agilität ist aber auch dieses Triebwerk nicht. Beide Ottomotoren sind mit einem manuellen Getriebe kombiniert - mit weiten Schaltwegen und nur fünf Gängen. Dass ein sechster Gang fehlt, merkt man ab Tempo 120, dann werden beide Motoren unangenehm laut und brummig.

Ab Sommer auch mit drei Zylindern
Die Benzinerpalette wird ab Sommer 2012 nach unten durch zwei neu entwickelte Dreizylinder-Triebwerke mit 68 und 82 PS, nach oben durch einen 156-PS-Turbo ergänzt. Für die Benziner ist ein Start-Stopp-System nach wie vor nicht verfügbar. Dagegen werden alle Diesel außer dem Basisaggregat serienmäßig mit der Spritspartechnik geliefert. Sämtliche Selbstzünder - bei einer Leistungsspanne zwischen 68 und 115 PS - emittieren weniger als 100 Gramm CO2 je Kilometer. Sauberste Variante ist der 1.4 e-HDi mit einem CO2-Ausstoß von 87 Gramm. Das entspricht einem Verbrauch von 3,4 Liter pro 100 Kilometer, womit der 208 zu einem der sparsamsten Autos überhaupt avanciert.

Der 208 von vorne: Das Haifisch-Maul gehört der Vergangenheit an

Auf der Straße überzeugend
Dass der kleine Franzose tatsächlich kompakt und handlich ausfällt, zeigten die Testfahrten. Sie führten durch teils unglaublich enge Gässchen in der Lissaboner Altstadt sowie in kleinen Dörfern - heftige Steigungen, äußerst enge Kurven, Gegenverkehr und parkende Autos inklusive. Der Fahrkomfort des 208 geht absolut in Ordnung. Nur grobe Stöße, die es aufgrund der nicht immer sonderlich guten Straßen in Portugal häufiger als gewünscht gibt, werden recht unvermittelt und direkt auf die Insassen übertragen. Die elektrische Servolenkung agiert direkter als bei vielen anderen französischen Autos. Um die Nullstellung herum ist die Lenkung allerdings etwas schwergängig, fühlt sich zudem merkwürdig synthetisch an.

Deutlich gesenkte Einstiegspreise
Zu den Händlern kommt der 208 ab 21. April 2012 sowohl als Drei- als auch als Fünftürer. In der eher kärglich ausgestatteten Basisversion Access sind nur die beiden Einstiegsmotorisierungen erhältlich. Der 208 Active wartet mit Touchscreen, Audioanlage, Tempomat, Klimaanlage und Bluetooth-Freisprecheinrichtung auf. In der Topausstattung Allure sind zudem Sportsitze, eine Klimaautomatik, Leichtmetallräder und Nebelscheinwerfer inklusive. Die Einstiegpreise hat Peugeot im Vergleich zum 207 deutlich gesenkt - um 750 Euro für den Benziner und um sogar 1.850 Euro für den Diesel. Der dreitürige 68-PS-Benziner startet demzufolge bei 11.600 Euro. Zum Vergleich: Den Fiat Punto erhält man mit 69 PS ab 12.000 Euro, einen VW Polo mit 70 PS ab 12.975 Euro. Günstiger ist hingegen der Kia Rio, den es mit 85 PS schon ab 10.990 Euro gibt.

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