Sevilla (Spanien), 20. Mai 2011 - Scharf drücken sich die beiden Power-Domes aus der Motorhaube, sind beinahe ein Ersatz für den stehenden Stern: Wir fahren das sportlichste Coupé der C-Klasse, den C 63 AMG. 457 PS und ein superschnell schaltendes Getriebe sollen uns überzeugen.

Rasende Markanz
Während das Serien-Coupé der C-Klasse mit Limousine sowie T-Modell der Baureihe wenigstens die Motorhaube gemeinsam hat, spielt die AMG-Version auch hier den Sonderling: Zwei kräftig ausgeformte Power-Dome-Linien ziehen sich in Fahrtrichtung über das Aluminiumblech. Und im Gegensatz zu seinen Coupé-Geschwistern trägt der C 63 AMG an der Front eigenständige LED-Tagfahrlichter, unergründliche große Kühlluftöffnungen und eine schwarz lackierte Strebe im unteren Bereich der Schürze. In Sachen Kotflügel bläst der AMG natürlich die Backen auf, was ihn besonders stämmig erscheinen lässt. Auf dem Heckdeckel glänzt eine dezente Abrisskante und den sportlich schwarzen Abschluss bildet ein Diffusor, unter dem rechts und links die ovalen Doppelendrohre herauslugen. Was diese Rohre können, klären wir später.

Das flache Coupé wirkt mit seiner stark geneigten Frontscheibe besonders sportlich

Verlockender Dreher
Auf der Mittelkonsole lockt ein kleiner Drehschalter - entsprechend seiner Bedeutung sitzt er vor dem Gangwahlhebel und ist allen anderen Bedienelementen optisch entrückt. Mit diesem Drehschalter wandern wir durchs Getriebe-Menü: "C" für "Controlled Efficiency", "S" für "Sport", "S+" für "Sport plus" und "M" für "manuell". Auf der Sechsuhr-Position lauert noch "RS" für "Race Start". Ansonsten herrscht kühle Sportlichkeit in der AMG-Kabine. Die Sitze geben renntauglichen Seitenhalt für Beine und Rücken. Genau wie in den herkömmlichen Modellen finden wir im AMG hinten zwei Einzelsitze. Diese lassen sich im Sportler serienmäßig umklappen, bei den schwächer motorisierten Varianten kostet dieses Feature 309 Euro Aufpreis - hier gönnt Mercedes dem Dynamik-Modell serienmäßig mehr Alltagstauglichkeit als den nicht so sportlichen Geschwistern.

Hohe Zahlen
Ansonsten machen alleine schon die Instrumente den Fahrer heiß: Die Tacho-Anzeige geht bis 320 km/h, im Drehzahlmesser prangt ein 6.3-V8-Logo, ein Hinweis auf den vortriebssüchtigen 6,2-Liter-Achtzylinder, der unter der Power-Dome-Haube auf den ersten Zündfunken lauert. Der Pilot kann sich jederzeit über die Motoröl- und Kühlwassertemperatur sowie den gerade aktiven ESP-Modus informieren. Außerdem gibt es einen Racetimer, der Rundenzeiten stoppt oder auf Wunsch auch einfach nur zum Spaß mitläuft. Richtig gerne greifen wir ins dicke, saftige Lederlenkrad. Dieses ist nicht rund, sondern oben und unten abgeflacht, die Griffflächen sind mit sich angenehm anfühlendem Alcantara umhüllt.

Serienmäßig geht es in 4,4 Sekunden von null auf 100 km/h

Nimmt auch das Schlagloch
In Sachen Fahrwerk haben sich die AMG-Ingenieure nochmal richtig reingekniet: Eine breitere Spur und mehr negativer Sturz sollen besonders die Kurvenperformance optimieren. Vorne wurde die Spur um 36 Millimeter verbreitert, hinten um zwölf Millimeter. Außerdem ist nun die vordere Radführung um 100 Prozent steifer und auch die Stabilisatoren rundum wurden massiver ausgeführt. Wir fahren durch die Stadt Richtung Rennstrecke und müssen kurz vor einer Kreuzung über ziemlich übel zugerichteten Asphalt. Das AMG-Coupé nimmt die Straßenwunde straff, aber der Komfort geht in Ordnung - der Wagen funktioniert auch für die lange Reise. Auf dem Rennkurs dann die Erkenntnis: Gewankt wird im C 63 AMG wirklich nicht - wie ein Brett zieht der Sportler um die Kurven. Die Sport-Parameterlenkung lässt uns den Wagen präzise um jede Biege steuern, egal bei welcher Geschwindigkeit. Die Abwesenheit von Lenkrad-Spiel gibt uns dabei Sicherheit.

Dreistufen-ESP
Das elektronische Stabilitäts-Programm ESP lässt sich beim C 63 AMG in drei Stufen einstellen. Per Drehschalter sind die Einstellungen "On", "Sport Handling Mode" und "Off" möglich. Geübtere Fahrer können sich am Sport Handling Mode versuchen, bei dem der Schleuderschutz später und sanfter eingreift. "Off" ist nur was für erfahrene Rennhasen. Und die Bremsen beißen in unserem C 63 AMG diszipliniert und unnachgiebig zu. Wer das "AMG Performance Package" für 7.116 Euro ordert, bekommt unter anderem noch eine Verbundbremsanlage. Damit ist fadingfreies Bremsen auch bei langwierigen harten Renneinsätzen garantiert, hinzu kommen lange Standzeiten.

Eine dezente schwarze Abrisskante sorgt am Heck für eine verbesserte Aerodynamik

Bekannter Performer
Auch wenn an der C-Klasse vieles neu ist: Der Motor ist ein alter Bekannter: 6,2 Liter Hubraum und acht Zylinder sind für 457 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Newtonmeter gut. Der neue 5,5-Liter-V8-Biturbo mit 525 PS passt nicht in den Maschinenraum des AMG-Einstiegscoupés. Aber der alte Sauger ist ohnehin zum einen bei der Kundschaft beliebt und zum anderen leistungs- und vor allen Dingen klangmäßig gut dabei. In 4,4 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, hoch geht es bis 250 km/h. Wer die 3.213 Euro für das "AMG Driver‘s Package" ausgibt, bekommt ein Fahrertraining und eine Anhebung der Abregelung auf 280 km/h.

Gurgelt, gluckst, brennt
Wir geben Gas und die Endrohre röhren vergnüglich. Den Schub spüren wir im Rücken, sehen ihn aber noch viel stärker an der entfesselt nach oben reißenden Tachonadel. Dabei gurgelt das Triebwerk alles verschlingende Urlaute heraus. Außerhalb der Rennstrecke gibt das Aggregat den kräftigen, aber wohl erzogenen Gentleman, auf der Piste wird es klanglich hemmungslos. Und der Sound lässt sich per Getriebeeinstellung weiter verfeinern: Über die oben beschriebenen Einstellungen C, S und S+ geht das Gänge-Reinknallen immer schneller, wobei harte Ruckler ausbleiben. Wer dann die Stufe M bemüht und in die Schaltpaddles greift, hat die Kontrolle über das Orchester. Und beim Runterschalten gluckst ein automatischer Zwischengas-Stoß aus den Auspuffenden - spätestens jetzt ist der Pilot vollkommen im Fahren versunken.

Der schwarze Heck-Diffusor verrät das sportlichste Coupé der C-Klasse-Baureihe

Neues Sportgetriebe
Das siebengängige MCT-Automatikgetriebe (Multi-Clutch Technology) gibt es jetzt auch bei den AMG-Modellen der C-Klasse. Es wird serienmäßig verbaut und soll zum einen beim Spritsparen helfen, zum anderen die Performance verbessern. Dafür wird der klassische Drehmomenten-Wandler durch eine nasse Anfahrkupplung ersetzt. In den Stellungen S und S+ erfolgt die Gasannahme direkter und die Gänge werden höher ausgedreht. Zudem erfolgen die Schaltvorgänge bei S um 25 Prozent schneller als bei C und bei S+ nochmal um 25 Prozent schneller als bei S. In S+ und im manuellen Modus M wird ein Gangwechsel in 100 Millisekunden abgerissen. Und beim Herunterschalten sind Mehrfach-Schaltvorgänge möglich, so wird bei Bedarf beispielsweise direkt vom fünften in den dritten Gang gewechselt. Das MCT konnte uns bisher in jedem Auto überzeugen, auch in die C-Klasse wurde es perfekt integriert.

Durst?
Das C 63 AMG Coupé bekommt kein Start-Stopp-System, aber laut Hersteller liegt der Verbrauch im Schnitt bei 12,0 Liter pro 100 Kilometer. Was im ersten Moment nach unbändigem Durst klingt, ist unter Berücksichtigung der Leistung von 457 PS effizient. Wer viel im Stadtverkehr unterwegs ist, wird mit einem Verbrauch von über 20 Liter leben müssen (Herstellerangabe: 18,1 Liter). Die angepeilte Kundschaft ist allerdings nicht dafür bekannt, sich an der Zapfsäule zu große Sorgen über ihre Benzinrechnung zu machen. Und wer das oben bereits erwähnte AMG Performance Package bestellt, bekommt auch noch 30 zusätzliche PS. Dafür werden im Motor die Schmiedekolben, die Pleuel und die Kurbelwelle aus dem 571-PS-Aggregat des Flügeltürers SLS verbaut. Diese leichten Teile führen auch zu noch mehr Drehfreude und der Referenzspurt wird jetzt in 4,3 statt 4,4 Sekunden erledigt - der Verbrauch soll dabei unangetastet bleiben.

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